Wenn jemand eine Reise tut…

Mit der Deutschen Bahn zu fahren ist ja an sich schon so eine Sache.
Wer es sich (wie ich) nicht leisten kann, in der luxuriösen Abge-schiedenheit der 1. Klasse zu reisen, muss sich im Großraum-Wagen der 2. Klasse häufig mit ekstatischem Laptop-Tasten-Klackern, aus Ohr-stöpseln schepperndem Musik-Lärm oder sich überlaut am Handy unterhaltenen Mitreisenden herum-schlagen. Wer sich allerdings zu Zeiten des Oktoberfests auf den Weg nach München macht, erlebt Mitreisende der ganz anderen Art…

Ein Erlebnisbericht – von Anne-M. Keßel

Der ICE ist schon recht voll, als ich kurz hinter Köln zusteige. Und doch habe ich Glück und ergattere einen Platz in einem so genannten „Vierer“, also sich zwei gegenüberliegenden Doppelsitzen mit einem Tisch in der Mitte. Die Fahrt vom Rheinland nach München ist lang, und so genieße ich in den nächsten Stunden eine hohe Fluktuation an neben und mir gegenüber sitzenden Mitreisenden. Unaufgeregte, angenehm unspektakuläre Zeitgenossen – friedlich lesend, leise essend oder stumm schlafend.

Bis in Hessen (ich glaube, es war Hanau, bin mir allerdings nicht mehr ganz sicher) eine Gruppe von vier jungen Menschen zusteigt. Ein Mann und drei junge bis mittelalte Mädels, die den einen Platz direkt neben mir, die beiden gegenüberliegenden und den nächstliegenden Platz auf der anderen Gangseite besetzen. Die Vier haben ihre Hintern kaum in die Sitzpolster gesenkt, da wird – unter kreischendem Beifall der Damen – aus dem großzügigen Gepäck der „Reiseproviant“ gezogen und auf den Tisch gestellt: ein fünf-Liter-Fäßchen Bier, dessen goldene Aufschrift sich selbst stolz als „Bitburger Party-Dose“ präsentiert. Ich blinzele, doch die Hoffnung auf eine optische Täuschung verfliegt schnell: das Fass ist echt, es steht direkt vor mir auf dem Tisch, und im weiten Strahl füllt der junge Mann weiße 0,5-Liter-Plastikbecher, wobei seine Sitznachbarin kichernd bemerkt: „Micha, das klingt, wie wenn du pullerst!“
Lautes Lachen aller Beteiligten! Ich schließe die Augen. Noch über zwei Stunden bis München! Mein Blick sucht ähnliche Reaktionen bzw. Beistand bei den übrigen Reisenden. Der Mann auf der anderen Gangseite stellt sich tot, oder zumindest schlafend, obwohl er vorhin noch sehr angeregt – und seeeehr wach – in einem Focus geblättert hat. Der Junge neben ihm verstöpselt sich trotzig mit Ohrsteckern, dreht das Volume an seinem Laptop hoch und starrt mit vor der Brust verschränkten Armen auf den Monitor, über den ein Film flimmert. Aha, okay, gut – die haben sich also schon mal ausgeklinkt. Von denen kann ich keine Unterstützung in öffentlich zur Schau gestellter Empörung erwarten. Ich bin also auf mich allein gestellt!

Klack! Klack! Glas schlägt hart auf dem Funierholz des Tischchens vor mir auf. Ich wende den Blick wieder meinen Sitznachbarn zu und erschrecke. Micha (dieser Name ist – wie übrigens alle weiteren Namen auch – aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes von mir geändert worden!) zieht aus seinem Bundeswehr-Rucksack eine Flasche Hugo und eine Flasche Ouzo und knallt sie vor uns auf den Tisch! Erneut spenden die Mädels Beifall! Himmel hilf!

Während ich noch überlege, ob ich die Spaßbremse geben und meinen Unmut über das öffentliche Saufen äußern soll, wühlt das Mädel neben mir in ihrer Handtasche, packt in aller Seelenruhe einen iPod samt faustgroßer, mobiler Lautsprecher-Box aus, schließt sie an und drückt die Play-Taste. Matthias Reim schallt uns entgegen!
„Nee, Tatjana, nee! Mach mal den Helene-Hit-Mix!“ Die Lady auf der anderen Seite des Gangs, von Optik und Benehmen her offenbar die Älteste in diesem Horror-Quartett, wedelt mit ihren French-Manicure-Krallen in Richtung iPod. Mir gegenüber klatscht das Mädel begeistert in die Hände: „Oh jaaa, Marion hat recht! Helene geht immer!“ Tatjana gehorcht, drückt auf dem iPod rum und dreht die mobile Box bis zum Anschlag. Zufrieden lässt sie sich in ihren Sitz fallen: „So, neun Minuten! Neun Minuten Helene-Hit-Mix!“ Die Vier recken ihre randvollen Plastikbecher mit Bier in die Höhe und stoßen an. Ich bin einem Amoklauf nahe!

Ich versuche, mit kühlem Kopf meine Optionen abzuwägen. Was kann ich tun?
Etwas sagen? Das wird nichts ändern! So, wie die drauf sind, macht mich das nur zur Zielscheibe von blöden Pöbeleien und dummen Sprüchen. Außerdem hat man ja aus der Vergangenheit und den bundesweiten Schlagzeilen gelernt, dass man in so einer Situation auch gerne mal tot oder wenigstens krankenhausreif geschlagen wird…
Also, was tun? Aufstehen und gehen? Das Risiko ist hoch, dass ich keinen Sitzplatz mehr finden werde. Der Zug ist rappelvoll und ich will mich mit meiner dicken Reisetasche ja auch nicht durch alle Abteile wälzen.
Bleibt eigentlich nur noch eins: das Beste draus machen! Hey, ich bin Autorin! Das hier ist Recherche pur, das echte Leben hat sich in meinen Vierer gequetscht und will von mir beobachtet, dokumentiert und irgendwann in einem meiner Stoffe verarbeitet werden. Was könnte mir Besseres passieren?
Nachdem ich mich also entschlossen habe, mich nicht mehr nerven, sondern stattdessen inspirieren zu lassen, geht es mir schon viel besser. Ich zücke mein iPhone, öffne eine neue Notiz-Seite und beginne, mitzutippen, was diese vier angetrunkenen Individuen so von sich geben.
Marion, die Mutti der Kompanie, wühlt in ihrer Tasche und zieht zwei großformatige Tupper-Dosen heraus. Schnapp – die Deckel fliegen ab und ihre Kunstnägel-Klauen halten uns eine Box mit dicken Käse-Würfeln und eine andere mit grünen Weintrauben hin. Durchaus selbstironisch bellt sie dazu über den Mittelgang: „So, Mutti hat gekocht! Los, essen jetzt! Hat nix mit Hunger zu tun! Das ist die Grundlage!“ – „Richtig, wir sind ja nicht zum Spaß hier!“ Micha klatscht in die Hände, Tatjana und Daniela, genannt Dani (das Mädel mir gegenüber), lachen laut. Alle greifen zu – mehr beim Käse als bei den Trauben – und spülen die minimalistische Nahrungsgrundlage mit tiefen Zügen Bier herunter. Bevor Marion wieder die Deckel auf die Tupperboxen schnalzen lässt, hält sie auch mir die Box mit Käse entgegen: „Sie auch?“ Ich gucke groß. Sie hat mich angesprochen! Sie nehmen mich also tatsächlich wahr! Bisher war ich mir da nicht so sicher gewesen.
Ich schüttele den Kopf: „Nein, danke!“
„Lieber Trauben?“ Marion bleibt hartnäckig freundlich. Schwupps – schon hält sie mir die Trauben-Tupper unter die Nase. Wieder schüttele ich den Kopf und lächele freundlich. Insgeheim bin ich positiv überrascht. Ist ja echt nett, dass sie mir was anbietet.
Mit einem Seufzer lässt Marion die Vakuum-Deckel auf die Boxen krachen und mit einem lauten Knacken einrasten. „Wer soll das denn noch alles essen? Muss doch weg!“ Aha, verstehe – vielen Dank auch!
Dani wendet sich Marion zu: „Man merkt, dass Du mal verheiratet warst!“ Marion guckt pikiert. Dani will sich aus der Affäre ziehen und setzt schnell nach: „Na, wegen kochen und so.“
„Hattest du nicht auch mal ’n Haus?“ will Micha wissen.
Marion nickt langsam. „Ja, aber jetzt ist alles weg…“
Ich spüre, wie sich meine Kehle leicht zusammen zieht. Die Stimmung droht zu kippen. Marion ist tatsächlich berührt, schaut versonnen auf das hässliche Muster der Sitzpolster und hängt in Gedanken ihrer Vergangenheit nach. Doch diese Fahrt soll keine therapeutische Tour oder selbstreflexive Gesprächstherapie werden, was – wohl  unbewusst – als Erster Micha erkannt hat. „Na, egal! Mit 35 ist doch noch alles drin bei dir!“ Er hebt seinen Becher und prostet Marion zu. Die nickt dankbar.
Nach einem tiefen Schluck will sie von Micha wissen: „Wie alt bist du eigentlich?“
„28.“ ist die Antwort.
„Eeeeecht???“ Dani guckt ihn mit großen Augen an. Auch ich bin erstaunt. Micha sieht wesentlich älter aus. Das macht nicht nur das schüttere Haupthaar, sondern auch die schon recht faltige Gesichtshaut. Nun gut, sein Aussehen kompensiert er mit dem Benehmen eines 12-Jährigen, dann kommt das mit dem 28 also doch wieder irgendwie hin. Dani zupft ihre Bluse zurecht: „Ich muss feiern, so lang ich noch kann. Ich werd dieses Jahr noch 30…“
Wie aufs Stichwort gießt Micha ihren Becher mit Hugo voll. Tatjana nickt mitleidig: „Ja, dieses Jahr waren mir die sieben Tage Ballermann auch echt zu viel.  Nächstes Jahr buch ich nur drei. Das hält ja keine Sau aus!“

Der Zug hält. Jeder Stopp lässt München und den Abschied von den vier Schnapsdrosseln näher rücken. Ein Mann betritt den Waggon und sucht mit den Augen die winzigen Sitzplatz-Markierungen über unseren Köpfen ab. Dann wendet er sich freundlich an Marion. „Entschuldigen Sie bitte, welche Wagen-Nummer ist das hier?“ Marion antwortet akzent- und absolut nuschel-frei: „Die 21.“
„Vielen Dank.“ Der Mann nickt freundlich und zieht den Gang hinunter. Marions Gesichtszüge entgleisen in ein ungläubiges Staunen: „Krass, ich wusste echt noch die Wagen-Nummer!“ Micha beugt sich weit über den Tisch und grinst Marion an: „Hammer! Ich weiß noch nicht mal, WIEVIEL UHR WIR HABEN!!!“
Alle Vier brechen in ein volltrunkenes Gelächter aus. Klack, Spritz, Schwapp: Die vier Becher stoßen zum Prosit aneinander und werden dann mit in den Nacken geworfenen Köpfen leer getrunken.

Eine Stunde später: Marion lässt wieder die Käse-Tupper kreisen, doch es wird nur noch halbherzig zugegriffen. Auch ich kann mit einer abwehrenden Handbewegung deutlich machen, dass ich mich nicht zum Käse-Vernichter eigne. Tatjana packt mehrere Packungen Kinder-Riegel und Duplo aus sowie weitere Süßigkeiten. Käse und Trauben sind nun vollends vergessen.
Micha hebt das Fässchen, kippt und schüttelt es – man sieht ihm förmlich an, dass er es am Liebsten auswringen würde. Die letzten Tröpfchen plätschern in seinen Becher, dann ist das Fass leer.
Micha wuchtet sich mühsam aus seinem Sitz: „’ch kkkkauf mir’m Bodbisto noch’n Bier.“ Marion starrt ihn entgeistert an: „Hast du grad genuschelt???“
„Na endlich!“ Micha wirkt ehrlich erleichtert. Offenbar ist ihm wichtig, dass der literweise in sein System geschüttete Alkohol dort auch endlich seine Wirkung entfaltet. Dann zwängt er sich zwischen Sitz und Tisch auf den Gang hinaus und wankt das Zugabteil hinunter.

Ein dicklicher Herr mit breiter Brille, wenig Haaren, Anzug und Krawatte setzt sich neben Marion auf den freien Platz. Endlich! Der wirkt so unspontan und humorbefreit, dass ich wohl darauf hoffen kann, dass er dieser „Bahn-Party“ hier endlich ein Ende bereiten wird. Die autoritäre Ausstrahlung ihres neuen Sitznachbarn scheint Marion jedoch völlig zu entgehen (oder es ist ihr wichtiger, endlich die Tupperdosen leer zu kriegen), denn mit einem charmanten Lächeln hält sie ihm die Käse-Box hin: „Ein bißchen Käse?“
„Nein! Aber gerne ein paar Trauben!“ Der Dicke ist weniger humorbefreit, als ich dachte! Nachdem er sich – zu Marions Wohlwollen – großzügig bei den Trauben bedient hat, beginnt er sogar ein Gespräch mit der ihm und Marion gegenübersitzenden Asiatin, die einen Prospekt mit asiatischen Schriftzeichen liest. „Entschuldigen Sie, ist das ein Wort, ein Satz oder nur ein Buchstabe?“
Sein dicker Finger tippt auf eines der zahlreichen Zeichen in ihrem Prospekt. Auf gebrochenem Englisch beantwortet ihm die junge Asiatin die Frage, was seine Neugierde nur noch mehr anheizt. Auch Marion beugt sich interessiert über den Tisch und starrt auf die ihr fremden Sprachzeichen.
Währenddessen kommt Micha zurück, mit einem riesigen Weizen, und lässt sich – nachdem er Tatjana genötigt hat, ein Handybild von ihm und dem Getränk zu machen – wieder in seinen Sitz fallen. Das alles bekommt Marion gar nicht mit, denn gemeinsam mit dem Dicken hängen sie an den Lippen der Asiatin, die ihnen ihre Landessprache näher zu bringen versucht.
Tatjana bemerkt, dass sich ein Mitglied der Herde auszuklinken versucht, und will Marions Aufmerksamkeit zurückgewinnen. Sie hebt die Ouzo-Flasche und schnarrt über den Mittelgang hinweg: „Marion, gib mal deinen Becher her!“
Doch Marion wedelt nur unwirsch in ihre Richtung: „Psssst, während ihr sauft, lerne ich ein bisschen Chinesisch.“
Die junge Asiatin schaut pikiert von ihrer Broschüre auf und Marion an: „I am Korean!“
Marion wedelt auch diesen Einwand weg: „Dann lern ich halt Koreanisch!“
Der Dicke neben ihr beginnt zu lachen: „Ich bin froh, dass ich Sie getroffen habe. Ich hab gleich in München ein Bewerbungsgespräch. Und sie lenken mich wunderbar ab!“
Marion lächelt: „Wofür bewerben Sie sich denn?“ Der Dicke wird einsilbig: „So eine… Consulting-Stelle.“
Bevor Marion darauf antworten kann, erschallt plötzlich „Ti Amo“ aus der kleinen Musik-Box. Sofort sitzt Marion aufrecht in ihrem Sitz und quietscht: „Howieeeee!!!“ Der Dicke lacht noch mehr. Marion wendet sich wieder ihren drei Begleitern zu: „Hab ich schon erzählt, dass ich das Karaoke gesungen hab auf der Aida?“ Doch bevor nur einer der Drei antworten kann, stimmt sie voller Inbrunst in Howard Carpendales Gesang mit ein.

60 Minuten später: Mittlerweile beschallt uns Roland Kaiser mit den herzzerreißenden Tönen von „Santa Maria“. Während Tatjana in ihrem Sitz neben mir leicht mitschunkelt und mir dabei immer wieder ihren spitzen Ellenbogen in meine speckige Flanke piekst, wendet sich Dani Marion zu: „Der Mucki und ich wollten nächstes Jahr eigentlich nach Wacken. Aber da ist schon alles ausverkauft!“
Ich glaube, mich verhört zu haben und lasse beinahe mein iPhone fallen. Wacken??? Seit fast zwei Stunden werde ich mit nichts anderem als deutschsprachigem Schlager beschallt, und Dani will mit ihrem Mucki nach Wacken??? Marion nickt verständnisvoll. „Ja, schade.“ Doch dann fällt ihr ein, wie sie Dani trösten kann: „Aber dann komm doch einfach mit zu Andrea Berg. Die hat auch immer ne Bomben-Show.“ Dani nickt langsam, scheint ernsthaft über das Angebot nachzudenken. Offenbar hat sie einen recht breit gefächerten Musikgeschmack…

Altmeister Roland Kaiser wird von Altmeister Al Bano abgelöst, der zusammen mit seiner Romina uns „Felicita“ entgegen schmettert. Ein Refrain mit Ohrwurm-Qualität. Sofort stimmt das musikalische Horror-Quartett ein. Der Alkohol zirkuliert mittlerweile so sehr im Blutkreislauf, dass keiner der Vier die korrekte italienische Aussprache mehr hinbekommt – oder mit seeehr germanischen Akzent sing, was dann ungefähr so klingt wie „Feschischita“. Jetzt ist es soweit: Dani und Marion haken sich unter und schunkeln über den Gang! Ich kann die mich überflutenden Reize und Eindrücke kaum schnell genug in mein iPhone tippen, so schnell lösen sich die visuellen und akustischen Highlights ab. In meinem Tippwahn muss mir mein iPhone, das ich bisher verschämt unter der Tischplatte gehalten habe, wohl unbemerkt auf Augenhöhe hoch gewandert sein, denn Dani fühlt sich offenbar von meiner (natürlich nicht aktivierten) Kamera-Linse ins Visier genommen. „Ey, machst Du ein Youtube-Video von mir???“ Erschrocken lasse ich das Handy sinken und schüttele hektisch den Kopf. Enttäuschung macht sich auf ihrem Gesicht breit. Irritiert nehme ich ihre traurige Körpersprache wahr und bin kurz versucht, ihrem Wunsch vom eigenen Video nachzukommen – doch dann entscheide ich mich, bei der rein sprachlichen Berichterstattung zu bleiben.

Nur noch wenige Minuten bis München!
Aus der kleinen Lautsprecher-Box lärmen – unschön verzerrt – die mystischen Klänge der Schlager-Piraten von Santiano. Zum – laut mitgegröhlen – Refrain „Wir brauchen Rum, Rum Rum – sonst verdursten wir!“ wird rhythmisch mit dem Ouzo angestoßen. Spritzer benetzen den Tisch und die Käsewürfel. Egal, die Stimmung ist auf ihrem Höhepunkt!
Micha nickt zufrieden: „Wie bei den Profis! Wir sind losgefahren mit einer Flasche Hugo, einer Flasche Ouzo und einem 5-Liter-Fässchen. Und jetzt ist alles weg!“
„Ja, so fühle ich mich auch.“ haucht Marion.

Der Zug fährt in den Münchener Hauptbahnhof ein. Micha klatscht in die Hände: „So, Koffer weg und ab geht’s wieder! Oktoberfeeeest!“ Marion nickt schwach – das „Vorglühen“ scheint der Ältesten wohl schon leicht zuzusetzen. Ordentlich wird der Müll entsorgt und die übrigen Snacks und Getränkeflaschen sowie die Musik-Anlage in den Rucksäcken verstaut. Auf einmal ist es sehr still im Waggon. Nur das Rattern der Schienen und leises Gemurmel. Fast vermisse ich Helene schon ein wenig…

Der Zug hält. Endstation. Für mich ist es das Ende einer Reise, für die Vier geht es jetzt erst richtig los. Denn für den Abend ist ein Tisch auf dem Oktoberfest gebucht.

Und während die Vier mit ausladenden Gepäck und unsicherem Gang den Bahnsteig entlang taumeln, werde ich das Gefühl nicht los, dass sie mir – obwohl ich mich zuerst dagegen gewehrt habe – die lustigste Bahnfahrt seit Langem beschert haben!

Text: © Anne-M. Keßel | Oktober 2013

3 thoughts on “Wenn jemand eine Reise tut…

  1. echt super!!! Ich habe Tränen gelacht (natürlich leise, versteht sich. Wir sind ja hier nich auf’m Oktoberfest,wa?!). Diese Musik: die hätte mich ja zum Wahnsinn getrieben. Super gut gemacht, alles so lustig aufzuschreiben, obwohl man ja lieber etwas anderes gemacht hätte. Schade, dass man nicht erfährt, wie es dem Quartett auf dem Oktoberfest ergangen ist. Ob sie da wohl angekommen sind – vollständig??? Und von der Heimreise mal ganz zu schweigen!!!! Die Geschichte schreit geradezu nach einer FORTSETZUNG!!!!!!
    Herzliche Grüße und ich freue mich auf die nächste Geschichte!!!!!

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